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100 Jahre Theatertradition beim Trachtenverein Reichertsheim

Der Anfang

Seit etwa hundert Jahren wird beim Trachtenverein Reichertsheim Theater gespielt. Die für dieses Frühjahr an den Wochenenden vor Ostern geplanten Aufführungen müssen, wie schon die Aufführungen im Frühjahr und Herbst 2020, wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

Ganz andere Schwierigkeiten gab es, als der junge Verein kurz nach seiner Gründung das erste Stück mit dem Titel „Das letzte Spiel“ auf die Bühne brachte. Gründungsvorstand Franz Thalmaier erzählte, dass der Trachtenverein in der Bevölkerung auf Ablehnung stieß und deshalb die Aufführungen schlecht besucht waren. Spielleiter Hermann Thalmaier, Gründungsmitglied und Bruder des Vorstands, hatte durch sein Studium gute Kontakte in München. Er brachte von München Schauspieler mit, welche die Rollen einlernten. Als das in der Einwohnerschaft bekannt wurde, war der Saal voll. Außerdem ließ sich von der Presse in Haag ein Berichterstatter mit der Chaise herfahren und schrieb einen guten Bericht in der Zeitung. Der Bericht hat sich leider bis heute nicht auffinden lassen. Das Theaterspiel blieb Teil der Vereinstätigkeit und bereicherte und bereichert das kulturelle und gesellschaftliche Leben. Leider sind die schriftlichen Unterlagen des Vereins aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verloren gegangen, so dass außer drei Bildern keine Belege über das Laienspiel vor diesem Zeitpunkt existieren.

Das Foto aus der Zeit um 1920 zeigt die Theatergruppe des Trachtenvereins mit Spielleiter Hermann Thalmaier (links sitzend mit Geige) und rechts daneben am Tisch sitzend mit Zither Gründungsvorstand Franz Thalmaier.

Neubeginn 1946

Nach den Schrecken des Weltkriegs regte sich bald wieder die Trachtlerseele. Josef Herzog aus Anzenberg und Franz Hanslmaier aus Wagenspeck konnten in ihrer frohen Art mehrere junge Burschen und Dirndl für die Trachtensache begeistern. Auch heute kommt der Spielernachwuchs in erster Linie aus dem Vereinsnachwuchs, wobei immer wieder Quereinsteiger dazukommen. Es gibt so etwas wie eine Trachtlerkarriere: Von der Kindergruppe geht es weiter über die Tanz- und Plattlergruppe zu den Schnalzern und zu den Theaterspielern. Die Theatergruppe umfasst etwa 30 Mitglieder mit denen alle Rollen vom jugendlichen bis zum gesetzten Alter dargestellt werden können und mit den Frauen, die sich um Kostüme, das Schminken und das Frisieren kümmern.

Das erste Theaterstück mit dem Titel „Unser tägliches Brot gib uns heute“ wurde bereits 1946 aufgeführt. Seitdem wird meistens im Frühjahr und im Herbst gespielt. 1948 und 1949 wurden sogar vier verschiedene Inszenierungen im Frühjahr, im Sommer, im Frühherbst und im Spätherbst auf die Bühne gebracht. Seit 1946 wurden insgesamt 137 Stücke aufgeführt. Aus den seit dem Frühjahr 1956 geführten Aufzeichnungen über die Rollenverteilung lässt sich entnehmen, dass von den Laienspielern seit 1956 über 1200 Rollen dargestellt wurden. An der Spitze steht hier Leonhard Holzgassner mit 79 übernommenen Rollen seit Herbst 1971, gefolgt von Sepp Baumgartner mit 43 Rollen seit Herbst 1974 und Georg Hanslmeier mit 41 Rollen seit Herbst 1986.

Vor fünfzig Jahren, im Jahr 1971 wurde das dramatische Stück „Geächtet“ aufgeführt. 5. V.l. ist Leonhard Holzgaßner bei seinem ersten Theaterstück, dem bis jetzt 78 Rollen folgen sollten. Rechts aussen die beiden langjährigen Regisseure und Ehrenvorstände Franz Hanslmaier und Alois Greimel.

Ein Wandel lässt sich in der Auswahl der Stücke feststellen. In der Nachkriegszeit waren es vor allem Heimkehrer- und Wilderergeschichten, die über die Nöte der Zeit und auf oft recht drastische Art die gesellschaftlichen Hintergründe reflektierten und mit denen sich das Publikum bis Ende der 1970er Jahre identifizieren konnte. Seither ist festzustellen, dass die Zuschauer mehr unterhalten werden wollen und heitere Themen bevorzugen. Der Theaterleitung gelingt es sehr gut, diesen Anforderungen gerecht zu werden und inhaltliche Sinnhaftigkeit und Unterhaltungswert bei der Stückeauswahl zu berücksichtigen und zu kombinieren.

Lustige Begebenheiten

Anekdoten über Geschehnisse bei den Aufführungen gibt es einige zu erzählen:

Im Frühjahr 1947 war ein großer Erfolg, wie auch fünfzig Jahre später im Herbst 1997 sowie im Frühjahr 2019, die Aufführung des Stücks „Der siebte Bua“. Im Jahr 1947 war die Rolle des Ökonomen Pongratz Kleemeier dem Darsteller wie auf den Leib geschrieben und er spielte sie so überzeugend, so dass er Zeit seines Lebens „Kleemeier“ genannt wurde und manche Leute gar nicht wussten, wie er sich wirklich schreibt.

„Der siebte Bua“ wurde im Jahr 2019 zum dritten Mal mit großem Erfolg aufgeführt. Rechts aussen die beiden jetzigen Spielleiter Georg Hanslmeier (als Postbote) und Richard Schwarzenbeck.

In den siebziger Jahren wurde ein Stück aufgeführt, für das bei einem Akt ein besonders schöner Stubentisch gebraucht wurde. Der Vorstand stellte diesen zur Verfügung. Da der Tisch jedoch mit den Fußleisten nicht durch die Bühnentüre gegangen wäre, wurden die Fußleisten entfernt. Der Tisch stand, während er nicht gebraucht wurde, hinter der Bühne gleich neben dem Bühnenzugang. Nun ist während der Aufführung das Licht im gesamten Saal ausgefallen. Ein Zuschauer und oftmaliger, zudem schwergewichtiger Theaterspieler wusste, dass sich der Sicherungskasten hinter der Bühne befand und eilte dorthin. Um auf das Bühnenpodium und von dort zum Sicherungskasten zu gelangen sprang er auf den am Bühnenzugang stehenden Tisch. Der Tisch, seiner stabilisierenden Fußleisten beraubt, brach mit einem fürchterlichen Krachen in sich zusammen. Für Zuschauer und Theaterspieler war das Geschehen zunächst rätselhaft. Als jedoch das Licht wieder anging konnte weitergespielt werden. Lediglich der Tisch war nicht mehr einsatzbereit und musste zum Schreiner zur Reparatur gebracht werden.

Bei der Aufführung eines Wildererstücks vergaß der Hauptdarsteller einen Taler, der ihn vor dem tödlichen Schuss seines Widersachers rettete und den er nach dem Schuss theatralisch dem Publikum zeigen sollte, in die Joppentasche zu stecken. Als nun die betreffende Szene kam, griff er in die leere Tasche. Er konnte dem Publikum nichts zeigen, löste aber die Kalamität, indem er nur seinen Mitspielern auf der Bühne verdeckt den (nicht vorhandenen) Taler zeigte. Natürlich hatten die Mitspieler alle Mühe, in der dramatischen Szene das Lachen zu verbergen.

In eine tiefe Klamm musste der Darsteller Jakob Gatterhuber stürzen. Das Bild zeigt ihn nach dem „Sturz“ auf der Bühne, während er darauf wartet, die „Absturzstelle“ wieder verlassen zu können.

Bei der Aufführung eines Stücks, in dem ein Haberfeldtreiben beinhaltet war, hatte der Darsteller eines Haberers nur einen Einsatz. Nun geschah es, dass der Haberermeister den Einsatz dieses Haberers übersprang und er nichts mehr zu sagen hatte. Sein Kommentar war: „Iatz hob i sowieso grod oa Frog, und net amoi de hob is sogn kinna.“

Und dann wurde einmal auf dem Hof des Spielleiters vor lauter Begeisterung quasi eine zweite Version des Stücks weitergespielt. Es ging um die Kirchweih und um die Tradition, die Kirchweih in Form von Schnapsresten zu vergraben. Kurzerhand wurde eine Pralinenschachtel in einem Sandhaufen vergraben, die dann Monate später beim Betonieren wieder zum Vorschein kam.

Umzug nach Thambach

Bis zum Herbst 2016, als der Rampl-Saal aus Brandschutzgründen geschlossen werden musste, wurde dort Theater gespielt. Das Entgegenkommen der Gutsbesitzersfamilie Huber in Thambach ermöglichte den sofortigen Umzug in den Gutsgasthof Thambach. Kurzfristig und in vielen Arbeitsstunden wurde in den Saal die Theaterbühne eingebaut und bereits im Frühjahr 2017 konnte dort Premiere gefeiert werden.

Gastspiele

Gelegentlich hat sich die Theatergruppe auch auf Gastspielreisen begeben. In Maitenbeth wurde am 18. April 1949 das Stück „Everls Brautfahrt“ und am 10.Juli 1949 „Grenzfeuer“ sowie am 2. Oktober 1949 „Wildererblut“, am 22. Januar 1950 „Der Amerikaseppl“ und am 16. April 1950 „Falsche Liab“ gespielt. Am 8. Dezember 1974 wurde beim Patenverein in Schnaitsee das Erfolgsstück „S‘ Findlkind“ aufgeführt. Weitere Gastspiele in jüngerer Zeit waren die Beteiligung mit Einaktern bei den InnHügelLand-Dulten.

Frühere Absagen

Im Jahr 1951 mussten wegen der Maul- und Klauenseuche die Proben für das Herbsttheater abgebrochen werden, die jedoch schon im Januar 1952 nachgeholt wurden. Wegen Erkrankung bzw. Unfall des Hauptdarstellers konnte im Jahr 2009 kein Theater aufgeführt werden.

Hoffnung und Freude für die Zukunft

Für das Frühjahr 2020 hatten die Theaterproben bereits begonnen, mussten jedoch wegen Covid-19 wieder beendet werden. Die Theatergruppe des Trachtenvereins mit den beiden Spielleitern Georg Hanslmeier und Richard Schwarzenbeck, die Bewirtungsmannschaft und das treue Publikum freuen sich darauf, wenn es im Gutgasthof Thambach wieder heißen kann: Vorhang auf!

Grundner Gust

45 Jahre Goaßlschnalzer Reichertsheim

Seit 45 Jahren gibt es die Reichertsheimer Goaßlschnalzer. Sie sind damit die am längsten bestehende Schnalzergruppe sowohl im Altlandkreis Wasserburg als auch im Landkreis Mühldorf. Im Rahmen des 100-jährigen Gründungsfestes des Trachtenvereins Reichertsheim sollte auch das 45-jährige Bestehen seiner Goaßlschnalzergruppe gefeiert werden. Hierzu waren zu einem Schnalzertreffen, das am 26. Juli 2020 veranstaltet werden sollte, fast zwanzig Gruppen eingeladen. Leider wurde durch die Corona-Pandemie die Durchführung des Gründungsfestes und damit auch die Veranstaltung eines Schnalzertreffens unmöglich gemacht.

Goaßlschnalzer 2020

Die Goaßlschnalzer pflegen ein Brauchtum, das ohne die Übernahme und Pflege in Gruppen mit Musikbegleitung ausgestorben wäre. Ende der 1950er Jahre ging die Pferdehaltung durch die fortschreitende Mechanisierung stark zurück. Damit gab es auch keine Fuhrleute mehr und das Fuhrmannsbrauchtum kam ab. Das lustige Schnalzen, an dem man schon von weitem den einzelnen Fuhrmann erkannt hatte, das aber auch einen praktischen Zweck hatte, da es wie eine Hupe war, hörte mehr und mehr auf. 1963 griff das „Landwirtschaftliche Wochenblatt“ aus Anlass des Zentrallandwirtschaftsfestes die Idee auf, die alte Fuhrmannstradition des Schnalzens nochmals erklingen zu lassen. Jeder, der noch mit der Fuhrmannsgoaßl umgehen konnte, sollte sich zur Teilnahme melden. Einige Priener kamen dadurch auf die Idee, die seit jeher im Marschrythmus geschnoizten Takte musikalisch zu begleiten. Das war die zündende Idee, die dem alten Fuhrmannsbrauchtum das Überleben sicherte.

Knollhuber Andreas

Für das Jahr 1975 stand bei der Reichertsheimer Feuerwehr das 100-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe bevor, wozu der Trachtenverein mit der Gestaltung des Festabends betraut worden war. Dazu kam, dass 1973 beim Feuerwehrfest in Oberornau die Waakirchner Goaßlschnalzer aufgetreten waren, die Andreas Knollhuber, den ersten Trachtenvereinsvorstand nach dem Zweiten Weltkrieg, begeisterten. Er war es, der mit weiteren Trachtenkameraden, geübten Schuhplattlern, die Schnalzergruppe gründete. Als Gründungsmitglieder können, nachdem die Gruppe dann in ihrer jahrelang gleichen Zusammensetzung zusammengefunden hatte, genannt werden: Andreas Knollhuber (Hub), Hans Anzenberger (Rattenberg), Jakob Gatterhuber (Untersteinbach), August Grundner sen. und August Grundner jun. (beide Reichertsheim), Georg Hanslmeier (Albanstett) und Simon Maier (Oberornau), letzterer ein begeisterter „Rosserer“, der sich ebenfalls stark für das Entstehen der Gruppe einsetzte. Als Musikant war von Anfang an Franz Maier aus Oed dabei, der die Schnalzer seither mit der Ziehharmonika begleitet und der auch oft von weiteren Musikanten unterstützt wurde und wird.


Die Gründergruppe in den Anfangsjahren mit Pferdegespann, Fuhrmann Simon Maier

Als „Geburtshelfer“ fand sich Ludwig Jellbauer von der Schnalzergruppe des Trachtenvereins Burgkirchen. Im Herbst 1974 wurden die ersten Proben durchgeführt und schon beim Patentreffen im Januar 1975 mit den Schnaitseer Trachtlern konnten die ersten Stücke geschnalzt werden. Beim Festabend der Feuerwehr im Juni 1975 gefiel die Gruppe so gut, dass sie zu Festabenden in der näheren und weiteren Umgebung gerufen wurde.

Geprobt wurde anfangs in den Wintermonaten im Gymnastiksaal und in der Lagerhalle der Gemeinde, seit Jahrzehnten stellt die Familie Riemerschmid aus Pfaffenberg seine Reithalle als idealen Proberaum zur Verfügung. Auch die Turnhalle der Grundschule Ramsau konnte und kann in der kälteren Jahreszeit genutzt werden. Geselliger wird die Probenarbeit in den Sommermonaten, wo bei den Anwesen der Gruppenmitglieder im Freien geprobt und anschließend bei einer zünftigen Brotzeit die Gemeinschaft gepflegt wird.

Gründergruppe beim Schnalzertreffen 1989

Besucht werden seit der Anfangszeit Goaßlschnalzertreffen befreundeter Gruppen, so in Burgkirchen, Riedering, Söllhuben, Feilnbach, Feldwies, Traunwalchen, Schnaitsee, Prien, Hinterskirchen, Griesstätt, Obing, Dorfen und seit 1994 das jährlich örtlich wechselnde Schnalzertreffen der Gebiete „Inn-Salzach“ des Gauverbands I und „Unteres Inntal“ des Bayer. Inngau-Trachtenverbandes.

Schnalzerhut mit Zeichen

Große Erfolge waren die Schnalzertreffen, welche die Gruppe 1980 im Rahmen der Fahnenweihe des Trachtenvereins, 1989 im Rahmen der 1200-Jahrfeier der Gemeinde Reichertsheim und 1995 im Rahmen des 75-jährigen Gründungsfestes des Trachtenvereins veranstaltete sowie das Gebietsschnalzertreffen 1997. Ein weiterer Höhepunkt sollte das Schnalzertreffen zum 45-jährigen Bestehen in diesem Jahr sein.

Baumgartner Josef

Die Gruppe führte von 1974 bis 1986 Andreas Knollhuber, von 1986 bis 2009 Georg Hanslmeier sen. und nach kurzer kommissarischer Leitung durch Georg Hanslmeier jun. seit 2011 Josef Baumgartner.

Sterne für St. Kunigund

Vortänzerin Theresa Hanslmeier bei der Übergabe an Heimleiterin Manuela Hausner-Strohmaier

Die beachtliche Zahl von 167 Sternen aus Holz, Stroh und Papier bastelten die Kindergruppe und die Aktive Tanz- und Plattlergruppe des Trachtenvereins Reichertsheim für das Caritas-Wohnheim St. Kunigund in Haag. Da in diesem Jahr Coronabedingt der sonst schon traditionelle Auftritt der Kindergruppe des Vereins im Wohnheim nicht möglich war, wollte der Trachtenverein den Bewohnern so eine Freude bereiten, was sichtlich aus gelang und von Erfolg gekrönt war. Die Sterne wurden mit Weihnachtsgrüßen unter Beachtung der Coronaregeln übergeben. Die Anregung für diese Initiative kam von einem Aufruf des Bayerischen Trachtenverbandes, der von den jungen Reichertsheimer Trachtlerinnen und Trachtlern gerne aufgegriffen wurde. Die Fotos zeigen die gebastelten Sterne und Vortänzerin Theresa Hanslmeier bei der Übergabe der verpackten Sterne an die Heimleiterin Manuela Hausner-Strohmaier.

Grundner Gust

Knapp 170 Sterne wurden durch gebastelt!

Kirchweihmontag 2019 auf Mühldorf TV

Der Volksmusikabend am Kirchweihmontag, 19. Oktober 2020 wäre sicherlich wieder ein Höhepunkt in unserem Vereinsjahr geworden. Hoffen wir, dass nächstes Jahr wieder solche Veranstaltungen möglich sein werden.

Trotzdem kann sich der Kirta-Montag-Besucher die gewohnte Kirta-Stimmung daheim in die Stube holen. Mühldorf TV schaltet am Montag ab 17 Uhr die Aufzeichnung aus dem letzten Jahr in voller Länge im Internet frei. Unter dem Link: https://youtu.be/hmTbZhwx_LA ist das Video zu finden.

Schlachtschüssel, Maurerloabe, Kirtanudeln usw. überträgt die moderne Technik leider aber noch nicht. Da müssen wir heuer auf die eigene Kochkünste verweisen…

Nachruf auf Ehrenmitglied Georg Hanslmeier

Kurz nach der Vollendung seines 80. Lebensjahres verstarb plötzlich und unerwartet unser Ehrenmitglied Georg Hanslmeier. In unseren Verein trat er im Jahr 1956 ein und bewährte sich von 1958 bis 1969 als Vorplattler sowie viele Jahre als Fähnrich und Theaterspieler mit zahlreichen Hauptrollen. Jahrzehntelang war er bis zum letzten Jahr Mitglied im Vereinsausschuss, dessen Beratungen er mit wertvollen Beiträgen bereicherte, und ein positiv-kritischer Prüfer der Vereinskasse. Im Jahr 1974 war er Mitbegründer der Goaßlschnalzergruppe, die er von 1986 bis 2009 mit viel Einsatz leitete. Letztes Jahr feierte er mit seiner Frau Maria, die bei unserer Fahnenweihe 1980 als Trauermutter fungierte, die Goldene Hochzeit.

Der Albanstetter-Schorsch war ein angesehener und geachteter Bauer mit Leib und Seele. Für seinen Berufsstand trat er über viele Jahre als Ortsobmann des Bayerischen Bauernverbandes unermüdlich ein. Aufgeschlossen für die Öffentlichkeit wirkte er in der Dorfgemeinschaft und war in vielen Vereinen Mitglied. Besonderes Anliegen war ihm aber der Trachtenverein, mit dem er bei vielen Festbesuchen und Veranstaltungen präsent war. Er freute sich darauf, das 100-jährige Gründungsfest unseres Vereins mitzufeiern. Eine große Freude war es ihm, dass seine ganze Familie im Verein aktiv ist. 2006 verlieh ihm der Gauverband I ob seiner Verdienste um die Trachtensache das Goldene Gauehrenzeichen und unser Verein ernannte ihn im Jahr 2010 zum Ehrenmitglied. Selbstverständlich war ihm der sonntägliche Kirchgang, den er trotz seiner vielen Arbeit nie versäumte. Die kirchliche Begräbnisfeier musste wegen der coronabedingten Umstände im kleinsten Familienkreis stattfinden.

Ehrenmitglied August Grundner – Nachruf

Unser Verein musste Abschied nehmen von seinem Ehrenmitglied August Grundner, der im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Der „Schuasta Gust“ ist schon im Frühjahr 1946 dem Trachtenverein beigetreten und war seit seinem Beitritt aktives Mitglied. Über 57 Jahre hat der Gust mit seiner Arbeit den Verein in verschiedenen Ämtern vorangebracht. So war er: von 1950 bis 1955 Vorplattler, von 1955 bis 1956 Schriftführer, von 1962 bis 1974 2. Vorstand und von 1956 bis 1962 sowie von 1974 bis 2007 Kassier. Bei allen Festen des Vereins in der Nachkriegszeit hat er maßgeblich zum Erfolg beigetragen und freute sich schon, das 100-jährige mitfeiern zu können.

Für seine hohen Verdienste um den Verein und um das Ehrenamt ist er im Jahr 1996 mit dem Goldenen Gauehrenzeichen des Gauverbandes I und dem Ehrenzeichen des bayer. Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt ausgezeichnet worden. Im Jahr 2006 ist er zum Ehrenmitglied unseres Vereins ernannt worden. 2016 hat der Gust für seine 70-jährige aktive Mitgliedschaft vom Gauverband I den Gaukrug erhalten.

Wir mussten uns von einem verdienten Vereinsmitglied verabschieden, das sich fast sein ganzes Leben lang für Tracht und Brauchtum und unser Hoamat eingesetzt hat. Da Schuaster Gust war bei allen Anlässen durchs Jahr hindurch von unserem Verein und von unserem Dorf nicht wegzudenken. Wir erinnern uns an ihn bei den Theateraufführungen als Theaterspieler und lange Jahre als Kassier, bei der Trachtenwallfahrt nach Maria Eck, als Delegierter bei Gauversammlungen und „Kümmerer“ bei zahllosen besuchten Gau- und Trachtenfesten, ob in früheren Jahren als Gründungsmitglied bei den Goaßlschnoizern oder bei der Wiedereinführung der Leonhardifahrt in Thambach. Bei unzähligen Festen und kirchlichen Anlässen war der Gust mit seiner Familie – selbstverständlich mit der Tracht– immer wenn es gegangen ist, dabei.

Gern erinnern wir uns vor allem aber an seine Hilfsbereitschaft, wenn so mancher renovierungsbedürftige Haferlschuh eine neue Sohle gekriegt hat und seine Geselligkeit mit seinem Witz und den von ihm so gern erzählten Anekdoten und Geschichten aus früheren Zeiten. Er war für die jüngeren Vereinsmitglieder Vorbild und hat mit seiner Persönlichkeit immer dafür gesorgt, dass im Verein zusammengehalten worden ist.

Über viele Jahre hat der Gust als Begleiter unserer Fahne verstorbene Vereinsmitglieder würdig auf ihrem letzten Weg begleitet und es ging nach dem vorangegangenen Requiem in der Pfarrkirche eine große Trauergemeinde mit vielen Trachtlerinnen und Trachtlern mit auf seinem letzten Erdenweg. Den Trauerzug führten die Trachtenblaskapelle Ramsau und die Trachtenfahne an, vier Trachtenkameraden trugen ihn zum Grab, an dem 2. Vorstand Alois Aigner in einer bewegten Ansprache an die Verdienste des Verstorbenen erinnerte, in dankbarer und herzlicher Verbundenheit einen Kranz niederlegte und Abschied nahm mit den Worten „Lieber Gust mia nehman Abschied von Dir mit unserm Hoamatgruaß „Pfiat di Gott“. Mia wern di net vergessen!“

Festwirt und Festverein helfen zusammen

Festwirt mit Festverein bei der Spendenübergabe

Bis Ostern gibt es bei unserem Festwirt für unser Gründungsjubiläum im Sommer 2020 Mayer Peter aus Ramsau noch Schmankerlwochen. 10 % der Umsätze seiner Schmankerlhütte kommt dabei den aufgerufenen Vereinen als Spende zugute. In einer Woche im Januar war unter dem Monatsmotto „Tradition“ auch unser Verein an der Reihe. Jetzt fand die Spendenübergabe statt. Für den Verein kamen 140 € an Spenden zusammen. Herzlichen Dank Peter und Susanne! Wir freuen uns schon auf eure Schmankerl bei unserem Gründungsfest.

Motto im Januar: Tradition
mit den Blaskapellen Kirchdorf und Ramsau sowie den Trachtenvereinen Lengmoos und Reichertsheim

„Der siebente Bua“: Premiere mit Erfolg

Auf Geheiß ihres Vaters nehmen die sechs Kornreuther-Buam vor dem Flügeladjutanten Aufstellung und lassen den König hochleben.

Ein volles Haus zur Premierenvorstellung hatte die Theatergruppe des Trachtenvereins Reichertsheim mit dem neuen Stück „Der siebte Bua“ für das heurige Frühjahrstheater. Die Laienspieler freuten sich über den zahlreichen Applaus, der sich bisweilen zu wahren Beifallsstürmen steigerte. Die Komödie in drei Akten von Max Neal und Max Ferner versetzt die Zuschauer gut 100 Jahre zurück in die Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg, als Bayern noch eine Monarchie war und einen König hatte. Die Aufführung kommt keineswegs altbacken daher, denn frisch und gewitzt spielen die Darsteller auf. Die Regieführung unter Georg Hanslmeier und Richard Schwarzenbeck bewies mit der Rollenverteilung eine glückliche Hand und so werden die verschiedenen Charaktere, die auf die Bühne treten, überzeugend und authentisch dargestellt.

Ein neuer Anzug für den Kornreuther

Der Kleinbauer Simon Kornreuther (Anderl Gruber) sieht der Geburt seines siebten Buam mit Stolz entgegen. Doch sein „siebter Bua“ wird ein Mädchen. Aus Angst vor dem jährzornigen Bauern halten die Hebamme (Claudia Kropf), seine Frau Genoveva (Christina Binsteiner) und deren Schwester Leni (Anne Knollhuber) die „schlechte“ Botschaft vorerst zurück und geben die Tochter als Sohn aus, auch weil beim siebten Buam die Patenschaft des Königs und eine dicke Geldprämie winken. Mit Hilfe seines schlitzohrigen Freundes Anderl Brucklechner (Sepp Konstantin) meldet Kornreuther den erfreulichen Familienzuwachs in die Residenz, worauf dieser vom königlichen Flügeladjutanten (Gust Grundner jun.) begutachtet wird. Vom direkten Draht der Kornreuthers zum Königshaus will natürlich jeder profitieren. Deshalb gehen bald alle Dorfbewohner bei den frischgebackenen „Verwandten“ des königlichen Hauses ein und aus. Neben dem kleinmütigen Schneidermeister Ignaz Stanglhofer (Hardl Holzgaßner), dem scheinheiligen Ökonomen Pongratz Kleemeier (Konrad Nußreiner) erhoffen sich auch der titelsüchtige Englhofbauer Matthias Roggenberger (Gerhard Hanslmeier) und dessen Sohn Georg (Stefan Wimmer), der mit der Schwester der Kornreutherin eine Liebelei hat, Vorteile. Den Schwindel versucht derzeit der im Trüben fischende Gendarm (Josef Bibinger) aufzuklären. Einen wichtigen Part spielt der Postbote (Georg Hanslmeier) dessen überbrachter Brief aus der Residenz zum Schluss noch für etwas Aufregung aber dann doch für die Beruhigung der Lage sorgt. Einer der vielen Höhepunkte ist der Aufmarsch der sechs Kornreuther-Buam, die sich vor dem Flügeladjutanten wie die Orgelpfeifen aufstellen und den König hochleben lassen.

Seine Majestät erhält Nachricht von der Geburt des siebenten Buben

Resi Huber, Monika Lechner und Christine schminkten und kostümierten die Darsteller in gekonnter und treffend für ihre Rollen, die Souffleuraufgabe übernehmen Sabine und Richard Schwarzenbeck.

Schon das Betreten des Gutsgasthofs in Thambach erfreut die Besucher, denn fleissige Frauenhände haben eine prächtige Frühlingsdekoration in den altehrwürdigen Fletz gezaubert und vom Saal herunter ertönt die Theatermusik, die auch in den Pausen und nach den Aufführungen aufspielt.

Die Reichertsheimer Theaterspieler freuen sich auf die weiteren Aufführungen am Freitag, 12. April und Samstag, 13. April, jeweils um 20.00 Uhr sowie am Sonntag, 14. April um 14.00 Uhr und um 20.00 Uhr.

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