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45 Jahre Goaßlschnalzer Reichertsheim

Seit 45 Jahren gibt es die Reichertsheimer Goaßlschnalzer. Sie sind damit die am längsten bestehende Schnalzergruppe sowohl im Altlandkreis Wasserburg als auch im Landkreis Mühldorf. Im Rahmen des 100-jährigen Gründungsfestes des Trachtenvereins Reichertsheim sollte auch das 45-jährige Bestehen seiner Goaßlschnalzergruppe gefeiert werden. Hierzu waren zu einem Schnalzertreffen, das am 26. Juli 2020 veranstaltet werden sollte, fast zwanzig Gruppen eingeladen. Leider wurde durch die Corona-Pandemie die Durchführung des Gründungsfestes und damit auch die Veranstaltung eines Schnalzertreffens unmöglich gemacht.

Goaßlschnalzer 2020

Die Goaßlschnalzer pflegen ein Brauchtum, das ohne die Übernahme und Pflege in Gruppen mit Musikbegleitung ausgestorben wäre. Ende der 1950er Jahre ging die Pferdehaltung durch die fortschreitende Mechanisierung stark zurück. Damit gab es auch keine Fuhrleute mehr und das Fuhrmannsbrauchtum kam ab. Das lustige Schnalzen, an dem man schon von weitem den einzelnen Fuhrmann erkannt hatte, das aber auch einen praktischen Zweck hatte, da es wie eine Hupe war, hörte mehr und mehr auf. 1963 griff das „Landwirtschaftliche Wochenblatt“ aus Anlass des Zentrallandwirtschaftsfestes die Idee auf, die alte Fuhrmannstradition des Schnalzens nochmals erklingen zu lassen. Jeder, der noch mit der Fuhrmannsgoaßl umgehen konnte, sollte sich zur Teilnahme melden. Einige Priener kamen dadurch auf die Idee, die seit jeher im Marschrythmus geschnoizten Takte musikalisch zu begleiten. Das war die zündende Idee, die dem alten Fuhrmannsbrauchtum das Überleben sicherte.

Knollhuber Andreas

Für das Jahr 1975 stand bei der Reichertsheimer Feuerwehr das 100-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe bevor, wozu der Trachtenverein mit der Gestaltung des Festabends betraut worden war. Dazu kam, dass 1973 beim Feuerwehrfest in Oberornau die Waakirchner Goaßlschnalzer aufgetreten waren, die Andreas Knollhuber, den ersten Trachtenvereinsvorstand nach dem Zweiten Weltkrieg, begeisterten. Er war es, der mit weiteren Trachtenkameraden, geübten Schuhplattlern, die Schnalzergruppe gründete. Als Gründungsmitglieder können, nachdem die Gruppe dann in ihrer jahrelang gleichen Zusammensetzung zusammengefunden hatte, genannt werden: Andreas Knollhuber (Hub), Hans Anzenberger (Rattenberg), Jakob Gatterhuber (Untersteinbach), August Grundner sen. und August Grundner jun. (beide Reichertsheim), Georg Hanslmeier (Albanstett) und Simon Maier (Oberornau), letzterer ein begeisterter „Rosserer“, der sich ebenfalls stark für das Entstehen der Gruppe einsetzte. Als Musikant war von Anfang an Franz Maier aus Oed dabei, der die Schnalzer seither mit der Ziehharmonika begleitet und der auch oft von weiteren Musikanten unterstützt wurde und wird.


Die Gründergruppe in den Anfangsjahren mit Pferdegespann, Fuhrmann Simon Maier

Als „Geburtshelfer“ fand sich Ludwig Jellbauer von der Schnalzergruppe des Trachtenvereins Burgkirchen. Im Herbst 1974 wurden die ersten Proben durchgeführt und schon beim Patentreffen im Januar 1975 mit den Schnaitseer Trachtlern konnten die ersten Stücke geschnalzt werden. Beim Festabend der Feuerwehr im Juni 1975 gefiel die Gruppe so gut, dass sie zu Festabenden in der näheren und weiteren Umgebung gerufen wurde.

Geprobt wurde anfangs in den Wintermonaten im Gymnastiksaal und in der Lagerhalle der Gemeinde, seit Jahrzehnten stellt die Familie Riemerschmid aus Pfaffenberg seine Reithalle als idealen Proberaum zur Verfügung. Auch die Turnhalle der Grundschule Ramsau konnte und kann in der kälteren Jahreszeit genutzt werden. Geselliger wird die Probenarbeit in den Sommermonaten, wo bei den Anwesen der Gruppenmitglieder im Freien geprobt und anschließend bei einer zünftigen Brotzeit die Gemeinschaft gepflegt wird.

Gründergruppe beim Schnalzertreffen 1989

Besucht werden seit der Anfangszeit Goaßlschnalzertreffen befreundeter Gruppen, so in Burgkirchen, Riedering, Söllhuben, Feilnbach, Feldwies, Traunwalchen, Schnaitsee, Prien, Hinterskirchen, Griesstätt, Obing, Dorfen und seit 1994 das jährlich örtlich wechselnde Schnalzertreffen der Gebiete „Inn-Salzach“ des Gauverbands I und „Unteres Inntal“ des Bayer. Inngau-Trachtenverbandes.

Schnalzerhut mit Zeichen

Große Erfolge waren die Schnalzertreffen, welche die Gruppe 1980 im Rahmen der Fahnenweihe des Trachtenvereins, 1989 im Rahmen der 1200-Jahrfeier der Gemeinde Reichertsheim und 1995 im Rahmen des 75-jährigen Gründungsfestes des Trachtenvereins veranstaltete sowie das Gebietsschnalzertreffen 1997. Ein weiterer Höhepunkt sollte das Schnalzertreffen zum 45-jährigen Bestehen in diesem Jahr sein.

Baumgartner Josef

Die Gruppe führte von 1974 bis 1986 Andreas Knollhuber, von 1986 bis 2009 Georg Hanslmeier sen. und nach kurzer kommissarischer Leitung durch Georg Hanslmeier jun. seit 2011 Josef Baumgartner.

Sterne für St. Kunigund

Vortänzerin Theresa Hanslmeier bei der Übergabe an Heimleiterin Manuela Hausner-Strohmaier

Die beachtliche Zahl von 167 Sternen aus Holz, Stroh und Papier bastelten die Kindergruppe und die Aktive Tanz- und Plattlergruppe des Trachtenvereins Reichertsheim für das Caritas-Wohnheim St. Kunigund in Haag. Da in diesem Jahr Coronabedingt der sonst schon traditionelle Auftritt der Kindergruppe des Vereins im Wohnheim nicht möglich war, wollte der Trachtenverein den Bewohnern so eine Freude bereiten, was sichtlich aus gelang und von Erfolg gekrönt war. Die Sterne wurden mit Weihnachtsgrüßen unter Beachtung der Coronaregeln übergeben. Die Anregung für diese Initiative kam von einem Aufruf des Bayerischen Trachtenverbandes, der von den jungen Reichertsheimer Trachtlerinnen und Trachtlern gerne aufgegriffen wurde. Die Fotos zeigen die gebastelten Sterne und Vortänzerin Theresa Hanslmeier bei der Übergabe der verpackten Sterne an die Heimleiterin Manuela Hausner-Strohmaier.

Grundner Gust

Knapp 170 Sterne wurden durch gebastelt!